An vielen Tankstellen fällt es sofort auf: Diesel ist oft teurer als Benzin, mal wenig, mal deutlich. Dabei ist Diesel technisch einfacher zu raffinieren. Warum also der Aufschlag? Die Antwort liegt weniger in der Raffinerie als in Nachfrage, Steuern und einer globalen Verschiebung.
Diesel ist ein globaler Treibstoff
Benzin ist vor allem ein Treibstoff für Personenwagen und regional geprägt. Diesel dagegen bewegt die Weltwirtschaft: Lkw, Züge, Schiffe, Baumaschinen und Landwirtschaft laufen damit, ebenso ein großer Teil der europäischen Pkw-Flotte. Diese Nachfrage ist global und relativ unelastisch. Ein Spediteur kann nicht einfach auf Benzin umsteigen, wenn Diesel teuer wird.
Weil Diesel weltweit gebraucht wird, konkurrieren Käufer aus Europa, Asien und den USA um dieselben Barrel. Diese globale Konkurrenz stützt den Preis.
Die Verschiebung um 2004
Über weite Teile des 20. Jahrhunderts war Diesel der billige Treibstoff. Das änderte sich etwa ab 2004, als die weltweite Nachfrage nach Diesel, getrieben von Chinas Industrialisierung und der zunehmenden Dieselisierung europäischer Fahrzeuge, das Angebot zu übersteigen begann. Seither notiert Diesel häufig mit einem Aufschlag.
Winter und Heizöl
Diesel ist chemisch eng mit Heizöl verwandt, beide gehören zur Gruppe der Mitteldestillate. Im Winter steigt die Nachfrage nach Heizöl, was auch den Dieselpreis nach oben zieht. Ein kalter Winter auf der Nordhalbkugel kann den Dieselaufschlag deutlich vergrößern.
Steuern und Regulierung
In vielen Ländern werden Diesel und Benzin unterschiedlich besteuert. In Deutschland ist die Energiesteuer auf Diesel je Liter zwar niedriger als auf Benzin, doch andere Kosten und die hohe Nachfrage gleichen das oft aus. Auch strengere Schwefelgrenzwerte für Diesel haben die Raffination in den vergangenen zwei Jahrzehnten verteuert.
Der Kern
Dass Diesel mehr kostet, liegt nicht daran, dass er schwerer herzustellen wäre, sondern daran, dass die halbe Weltwirtschaft ihn braucht, dass er im Winter mit dem Heizöl konkurriert und dass Steuern und Vorschriften die Rechnung mitprägen. Der Dieselpreis ist damit ein guter Gradmesser für die industrielle Nachfrage, mehr noch als der Benzinpreis.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Die Bedingungen am Ölmarkt können sich schnell ändern. Konsultieren Sie einen qualifizierten Finanzfachmann, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.