Jeden Mittwoch um 16:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit (10:30 Uhr an der US-Ostküste) veröffentlicht die US-Energiebehörde EIA ihren wöchentlichen Bericht zur Ölversorgung. Kaum eine andere regelmäßige Datenveröffentlichung bewegt den Ölpreis so verlässlich. Für jeden, der den Markt verfolgt, lohnt es sich zu wissen, was darin steht.

Was der Bericht misst

Der Bericht zeigt, wie sich die US-Lagerbestände an Rohöl und Mineralölprodukten in der Vorwoche verändert haben. Die wichtigsten Zahlen sind:

  • Rohöllagerbestände: Sind sie gestiegen (ein "Aufbau") oder gefallen (ein "Abbau")?
  • Benzinvorräte und Mitteldestillate (Diesel und Heizöl).
  • Rohölförderung und Raffinerieauslastung in den USA.
  • Die Bestände am Lieferpunkt Cushing, Oklahoma, dem Bezugsort für WTI.

Warum Aufbau und Abbau zählen

Die Lagerbestände sind ein direktes Maß für das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Steigen die Bestände stärker als erwartet, deutet das auf ein Überangebot oder eine schwache Nachfrage hin, und der Preis fällt meist. Fallen sie stärker als erwartet, signalisiert das eine angespannte Versorgung, und der Preis steigt.

Entscheidend ist das Wort "erwartet". Der Markt hat vor der Veröffentlichung bereits eine Schätzung eingepreist. Bewegt wird der Preis von der Überraschung, also der Abweichung zwischen der tatsächlichen Zahl und der Prognose der Analysten. Ein Abbau kann den Preis fallen lassen, wenn ein noch größerer Abbau erwartet worden war.

Der API-Bericht am Vorabend

Am Dienstagabend veröffentlicht das American Petroleum Institute (API), ein Branchenverband, eigene Schätzungen. Diese Zahlen beruhen auf freiwilligen Meldungen und gelten als weniger verlässlich als die offiziellen EIA-Daten, geben dem Markt aber einen ersten Hinweis. Weichen API und EIA stark voneinander ab, kann das zusätzliche Bewegung auslösen.

Wann der Bericht weniger zählt

In ruhigen Phasen ist der EIA-Bericht oft der wichtigste Kurstreiber der Woche. In einer geopolitischen Krise tritt er in den Hintergrund: Wenn Raketen über dem Golf fliegen, interessiert die Zahl der Barrel in Cushing weniger als die Frage, ob ein Engpass offen bleibt. Der Bericht bewegt den Markt am stärksten, wenn sonst wenig los ist.

Der Kern

Der wöchentliche EIA-Bericht ist der verlässlichste regelmäßige Taktgeber des Ölmarkts. Wer ihn lesen will, achtet nicht nur auf die Richtung von Auf- oder Abbau, sondern vor allem darauf, wie weit die Zahl von der Erwartung abweicht.


Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Die Bedingungen am Ölmarkt können sich schnell ändern. Konsultieren Sie einen qualifizierten Finanzfachmann, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.